Wenn Busse denken lernen – KI als Gamechanger im ÖPNV

Künstliche Intelligenz verändert den Busverkehr grundlegend. Sie macht ihn flexibler, effizienter und zugänglicher und eröffnet neue Geschäftsmodelle für den Linienverkehr und den Bustourismus gleichermaßen.

Autonome Shuttles: Die Zukunft der ländlichen Mobilität

Während die Infrastruktur in Metropolen dicht ist, kämpfen ländliche Räume mit Ausdünnung und sinkender Rentabilität. Hier kommen ÖPNV-integrierte autonome Shuttles ins Spiel: kleine, elektrische Fahrzeuge, die bedarfsgerecht verkehren und bestehende Liniennetze intelligent ergänzen oder diese gegebenenfalls sogar ersetzen. Sie fahren dann, wenn Bedarf besteht, und nicht nach starrem Fahrplan.

Pilotprojekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen bereits heute, dass autonome Shuttles Lücken schließen, Taktzeiten verdichten und die Mobilitätswende auch dort ermöglichen können, wo klassische Linienbusse unwirtschaftlich sind. In Kombination mit KI-gestützten Dispositionssystemen entstehen hybride Verkehrsnetze, die Linien- und Bedarfsverkehr nahtlos verzahnen. Die Technologie ist vorhanden. Jetzt geht es um Regulierung und den Mut, Neues anzuwenden. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist schon jetzt hoch und wird weiter steigen. Die Frage bleibt: Wie gelingt die intelligente Integration in bestehende ÖPNV-Strukturen? Dieses Thema wird auf der BUS2BUS 2026 intensiv diskutiert werden.

Fahrermangel als Treiber autonomer Lösungen

Der Fahrermangel verschärft die Situation dramatisch: Schon heute fehlen in Deutschland über 80.000 Busfahrer:innen – mit steigender Tendenz. Autonome Shuttles sind daher nicht nur eine technologische Vision, sondern eine praktische Notwendigkeit. Sie entlasten das bestehende Personal, ermöglichen längere Betriebszeiten und schaffen Mobilitätsangebote dort, wo der klassische ÖPNV aufgrund von Personalengpässen nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden kann.

Dabei ist entscheidend: ÖPNV-integrierte autonome Shuttles sind das Komplementärangebot zu privaten RoboCabs. Während RoboCabs den individuellen, punktuellen Verkehr abdecken, bieten öffentlich betriebene autonome Shuttles eine sozial gerechte, flächendeckende Grundversorgung, die in bestehende Tarif- und Verkehrsverbünde eingebunden ist. Sie sind die öffentliche Antwort auf privatwirtschaftliche Mobilitätslösungen.

Michel Schwartz (Busfahrer & Influencer) steht für die Menschen, die den ÖPNV täglich möglich machen – trotz wachsendem Fahrermangel. Am Busfahrer:in Tag der BUS2BUS am 16. April bringt er die Perspektive aus der Praxis ein.

KI im Bustourismus – Neue Buchungserlebnisse durch Multi-Agenten-Systeme

Auch im Reisebus- und Tourismussektor revolutioniert KI die Customer Journey. Mithilfe von Multi-Agenten-Systemen können komplexe Reisen in Echtzeit geplant, gebucht und dynamisch angepasst werden. Der Kunde sucht eine Städtereise mit Busanreise, Hotel und Kulturprogramm? Im Hintergrund verhandeln KI-Agenten zwischen Verkehrsunternehmen, Hotelanbietern und Veranstaltern und liefern innerhalb von Sekunden personalisierte Angebote.

Das Besondere: Diese Systeme lernen kontinuierlich. Sie erkennen Präferenzen, optimieren Routen basierend auf Echtzeitdaten (Verkehr, Wetter, Veranstaltungen) und passen Preise dynamisch an Nachfrage und Auslastung an. Für Busunternehmen bedeutet das eine höhere Auslastung, bessere Margen und zufriedenere Kunden.

Gleichzeitig eröffnen KI-gestützte Plattformen neue Möglichkeiten für spontane Buchungen, Last-Minute-Angebote und flexible Tarifmodelle. All dies stellt einen Paradigmenwechsel von starren Fahrplänen zu einer nachfrageorientierten Mobilität dar.

ÖPNV neu gedacht: Multi-Agenten-Systeme für besseren Service

KI kann jedoch noch mehr: Im klassischen ÖPNV ermöglichen Multi-Agenten-Systeme eine völlig neue Servicequalität. Fahrgäste erhalten nicht nur Echtzeitinformationen zu Verspätungen, sondern auch proaktive Routenvorschläge bei Störungen sowie personalisierte Ticketangebote. Darüber hinaus werden barrierefreie Alternativrouten bereitgestellt, die das gesamte verfügbare Mobilitätsangebot umfassen. Es ist nicht mehr nötig, 15 Apps gleichzeitig zu durchsuchen, um herauszufinden, wie das Ziel doch noch erreicht werden könnte.

BUS2BUS 2026: Treffpunkt für die Zukunft des Busverkehrs

Wie diese Technologien konkret funktionieren, welche Hersteller und Start-ups daran arbeiten und welche regulatorischen Rahmenbedingungen dafür nötig sind, wird auf der BUS2BUS vom 15. bis 16. April 2026 in Berlin diskutiert.

Das Future Forum 2026 übersetzt Mobilitätstrends in anwendbare Konzepte – mit dem Bus als flexibelstem und nachhaltigstem Verkehrsmittel.

Das Future Forum ist ein Konferenzprogramm, das Entscheider aus den Bereichen ÖPNV, Tourismus, Politik und Tech-Branche zusammenbringt. In den Deep-Dive-Sessions geht es in die Tiefe: Es werden Technologie-Showcases, Best Practices und konkrete Use Cases präsentiert. Auf der Partner Stage werden internationale Perspektiven und innovative Ansätze aus ganz Europa präsentiert.

Ein besonderes Highlight ist das Young Mobility Network, das die nächste Generation von Mobilitätsmachern vernetzt: Start-ups, Studierende und Akteure, die die Transformation der Branche und den Busverkehr von morgen gestalten.

Die BUS2BUS ist mehr als nur eine Messe. Sie ist der Ort, an dem die Zukunft verhandelt wird.

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Stefan Carsten

Leiter des Advisory Boards und Kurator des BUS2BUS Future Forums

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